Meine Prinzipien – warum ich tue was ich tue

Psychotherapeut sein, Fortbildungen durchführen und Bücher und CDs veröffentlichen ist mein Beruf, ich lebe davon (daneben bin ich noch in einer Reihe von Non-Profit-Aktivitäten engagiert). Ich arbeite nicht nur für Geld und Ehre, sondern auch weil ich das Gefühl habe, damit etwas Sinnvolles zu tun, nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen, mit denen oder für die ich arbeite. Ich glaube, dass ich damit einen Beitrag dafür leisten kann, um mehr Lebendigkeit in die Welt zu bringen, letztlich um die Welt ein bisschen besser zu machen.

Ich vertrete einen integrativen Ansatz der Psychotherapie, das heißt ich habe viele (fast alle) psychotherapeutischen Richtungen gelernt und arbeite mit vielen Methoden. Jeder psychotherapeutischer Ansatz hat bestimmte Aspekte recht weit entwickelt, andere Seiten aber vernachlässigt. Für mich ist die Integration psychotherapeutischer Ansätze der Stand der Kunst in der Psychotherapie.

Besonders verbunden fühle ich mich den humanistisch-existenziellen Ansätzen der Psychotherapie, insbesondere der Körperpsychotherapie, arbeite aber auch mit tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutischen, systemischen, hypnotischen, NLP- und anderen Elementen (Infos zu den einzelnen Methoden finden Sie in meinem Blog).

Patient/inn/en wollen sich verstehen um ihre Probleme zu bewältigen. Sie wollen begreifen, was mit Ihnen los ist, wie sie geworden sind, wer sie sind, und wie sie sich weiterentwickeln können. Manche Patienten denken zu Beginn der Therapie, sie seien vielleicht verrückt, mit ihnen sei etwas nicht in Ordnung, sie seien falsch oder minderwertig, oder in ihnen stecke etwas, was sie vor allen Menschen verbergen müssten. In der Psychotherapie könne sie sich erleben und erkunden, und ich begleite sie dabei.

Der erste Schritt ist, wahrzunehmen und zu fühlen was ist, das ist oft überhaupt nicht leicht, dann zu verstehen was war und was sein kann, dann behutsam auszuprobieren, anders zu sein als man gewohnt ist zu sein – was das allerschwerste ist, aber auch spannend.

Ohne Wurzeln keine Flügel!

In der Psychotherapie werden verborgene Gefühle und ungenutzte Fähigkeiten kontaktiert, abgespaltene Anteile werden integriert, Strukturen werden ausgeformt und Grenzen werden definiert. Es geht um das Fördern von Ausdrucks- und Konfliktfähigkeit, um das Erwecken, Entwickeln und Erleben von Kraft und Klarheit, Authentizität und Respekt, Vitalität und Lebensfreude.

Es ist mir wichtig, auch in der Therapie als realer und begrenzter Mensch sichtbar zu sein, mich nicht hinter einer glatten Funktionsmaske zu verbergen und nicht so zu tun, als wüsste ich alles oder hätte alles perfekt im Griff. Ich habe mich viele Jahre lang in diversen Lehr- und Eigentherapien intensiv mit mir selbst auseinandergesetzt, dabei habe ich mehr über Psychotherapie (und über mich) gelernt als in meinen eigentlichen Ausbildungen. Dennoch habe ich noch immer Achillesfersen und Vermeidungen, manche sind mir bestimmt immer noch nicht bewusst. Manchmal übersehe ich Dinge oder sehe etwas nur selektiv unter bestimmten Blickwinkeln. Auch darum ist mir der Dialog, das Miteinander mit der Patientin/dem Patienten so wichtig.

Ich verstehe Psychotherapie als partnerschaftliche Zusammenarbeit. Ich sehe mich nicht als Problemlöser, als „Action-Man“. Ich bin nicht derjenige, der psychische Heilung „macht“ – das kann ich auch gar nicht, niemand kann das. Ich gehe davon aus, dass es – manchmal unbeachtet und ungenutzt, manchmal tief verborgen unter Ängsten und Vermeidungen, manchmal vergessen, verdrängt oder verachtet – Erfahrungen, Gefühle und Fähigkeiten gibt, die, wenn sie angenommen und integriert werden, das Leben voller und reicher machen können.

Dabei handelt es sich sowohl um Anteile, die zunächst als bedrohlich oder schmerzhaft wahrgenommen werden, als auch um ungelebte Wünsche und Bedürfnisse. Oft ist es gerade das, wovor man sich am meisten fürchtet oder wofür man sich am meisten schämt, was am lebendigsten ist und worin die vitalsten Gefühle und Energien verborgen sind.

Man kann in der Therapie auch lernen, zu spüren, was man nicht will, nicht braucht oder nicht aushalten kann, also die eigenen Grenzen zu fühlen, zu definieren und zu beschützen. Viele Menschen lassen sich Dinge gefallen, die nicht in Ordnung sind, sie lassen sich (auch und gerade von nahestehenden Menschen) ausbeuten und entwürdigen. Sie können in der Therapie lernen, klar und direkt auszudrücken, was sie fühlen, brauchen und wollen und was nicht, und dabei dennoch dem anderen gegenüber als Mensch respektvoll und (wenn möglich) wertschätzen zu sein, was manchmal schwer sein kann, meines Erachtens aber eine Voraussetzung dafür ist, Konflikte auf konstruktive Weise zu verarbeiten.

Viele Menschen leiden heutzutage nicht nur unter Blockierung und Selbstunterdrückung, sondern auch unter einer Instabilität ihrer psychischen Struktur. Ihre Persönlichkeit ist labil, zerbrechlich, empfindlich und leicht irritierbar. Solche Patient/inn/en können konfrontative Formen von Therapie nicht vertragen. Sie brauchen Halt, Unterstützung, Stabilisierung, ehrliches Interesse, warmherzige Zuwendung, Zuspruch und wohlwollende Begleitung.

Es geht mir in der Psychotherapie nicht darum, schnellstmöglich isolierte Symptome wegzuräumen. Symptome können nicht einfach so „weggemacht“ werden, sie müssen verarbeitet, durchdrungen, überwunden werden, man muss sie durcharbeiten und über sie hinauswachsen. Obwohl ich gelegentlich auch fokussiert und kurzzeittherapeutisch arbeite, gehe ich davon aus, dass psychotherapeutische Veränderungen in der Regel Zeit und insbesondere eine tragfähige und persönliche psychotherapeutische Beziehung brauchen, wenn sie nachhaltig wirksam sein sollen.

Ich arbeite am liebsten längerfristig, damit die Patientin/der Patient die Möglichkeit hat, sich seine Themen in ihren Zusammenhängen anzuschauen und auch Ebenen zu erkunden, von denen sie/er vielleicht zu Beginn  nichts wusste. Wie lange das dauert, kann man zu Beginn schwer sagen, das hängt davon ab, worum es sich handelt und wie weit die Patientin/der Patient damit gehen will. Die beste Orientierung zu Beginn ist ein Open-End-Zeitrahmen, d.h. es dauert so lange, wie es eben dauert. Aber in Ausnahmefällen mache ich auch Kurzzeittherapien, die nur wenige Stunden dauern, z.B. um ein sehr begrenztes Ziel zu erreichen, vor allem wenn nicht viel Zeit zur Verfügung steht. Kurzzeittherapie sind meiner Meinung nach aber nur für wenige Themen und Situationen wirklich geeignet.

Psychotherapie ist für mich eine Einladung an die Patientin/den Patienten, gemeinsam mit mir, also kooperativ und intensiv an der nachhaltigen Überwindung dessen zu arbeiten, was psychisches Leid verursacht und aufrechterhält. Psychotherapie ist ein Ort, um Vitalität und Lebensfreude aus den Fesseln übertriebener Angepaßtheit oder blinder Rebellion zu befreien, eine Möglichkeit, archaische Gefühle und Impulse zu kultivieren, also erlebbar, spürbar und soweit möglich kontrollierbar. Psychotherapie die Suche nach einem authentischen, erfüllten Lebensweg.

In der Psychotherapie ist das, was innerlich, auf der Ebene der Erfahrungen, der psychischen Muster und der körperenergetischen Prozesse geschieht, oft wichtiger und langfristig wirkungsvoller als das, was gleich verstandesmäßig begriffen und nach außen hin sichtbar ist.

Oft geht es in der Therapie darum, alte Verletzungen zu verarbeiten, sich tiefer einlassen zu lernen, auf Unerreichbares verzichten und Frustrationen ertragen zu lernen, sich Begehrtem schritt für Schritt anzunähern, das eigene Selbstbild zu differenzieren, zu vertiefen und zu erweitern, aus kindlichen Wunsch- und Angstphantasien herauszufinden, Lebensziele zu klären und zu verwirklichen oder existenzielle Entscheidungen verantwortlich zu treffen.

In der Therapie kann die Patientin/der Patient Zugang zu ihrem/seinem verletzten, enttäuschten, verwirrten, wütenden oder hilflosen inneren Kind finden, das sich nach grenzenloser Freiheit, bedingungsloser Geborgenheit, endloser Zuwendung und vollkommener  Aufmerksamkeit sehnt, dies im Alltag aber  nicht findet. Die Suche nach Verständnis und Vermittlung zwischen dem lebensererfahrenen (aber manchmal verknöcherten) Erwachsenen und dem bedürftigen (und lebendigen, aber manchmal auch tyrannischen) inneren Kind ist ein wesentlicher Aspekt meiner psychotherapeutischen Arbeit.

Die Form der Therapie, die ich praktiziere, ist geeignet für Menschen mit

  • Ängsten, Abhängigkeiten, Orientierungsmangel,
  • Depressionen, Hemmungen, Blockaden, Zwängen,
  • Selbstwertstörungen, chronischen Konflikten, Mangel an Standpunktfestigkeit,
  • Kontaktstörungen, Einsamkeit, Abgrenzungsproblemen,
  • Schwierigkeiten mit der Identität als Frau/als Mann, sexuellen Problemen,
  • Schwierigkeiten mit Selbstbehauptung und Aggression,
  • psychosomatischen Beschwerden,
  • Gefühlen von Unlebendigkeit, Überkontrolliertheit oder Kopfigkeit,
  • körperlichen Spannungen, innerem Überdruck, chronischer Müdigkeit,
  • Angst vor dem Überschwemmtwerden durch Gefühle oder einem „Gefühl der Gefühllosigkeit“
  • Ängsten vor Auflösung, Tendenzen sich „wegzumachen“,
  • Fragen nach Sinn und Perspektive des Lebens,
  • Wünschen nach persönlichem Wachstum und Erweiterung ihrer emotionalen und Beziehungsmöglichkeiten.