Wie geht man bei der Selbsthypnose mit Ablenkungen um?

Da Selbsthypnose-Übungen nicht von einem Hypnotherapeuten angeleitet, sondern von dem Patienten selbst durchgeführt werden, kann es leicht passieren, dass der Übende mit seiner Aufmerksamkeit von den selbsthypnotischen Vorstellungen abgelenkt wird und sich entweder in Alltagsgedanken verliert, oder beginnt zu dösen oder einschläft. Selbsthypnoseübungen erfordern daher eine gewisse innere und äußere Disziplin, ähnlich wie Meditationsübungen. Wenn man z.B. dazu neigt, während der Übung einzuschlafen, ist es günstiger, die Übung im Sitzen zu machen, wobei eine aufrechte Sitzhaltung ohne sich an der Stuhllehne anzulehnen, oft hilfreich ist, um der Atembewegung im Brustkorb möglichst großen Bewegungsraum zu verschaffen.

Dass während der Selbsthypnoseübung die Aufmerksamkeit immer wieder von den Selbsthypnosevorstellungen, abschweift und sich mit Ablenkungen beschäftigt, ist normal, ja unvermeidbar. Auch nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten mit Selbsthypnose- oder Meditationsübungen geht die Aufmerksamkeit immer wieder zu körperlichen Empfindungen oder Missempfindungen, Gedanken, Assoziationen, Erinnerungen, Sinnesreizen oder anderen inneren oder äußeren Wahrnehmungen. Die Selbsthypnoseübung besteht darin, das Abgelenktsein mit freundlicher Aufmerksamkeit zu registrieren und immer wieder zur autosuggestiven Vorstellung zurückzukehren. Über kurz oder lang schweift die Aufmerksamkeit wieder ab – dies wird wieder mit freundlicher Aufmerksamkeit registriert, und der Übende kehrt zum Fokus zurück usw. Dieses Weg-vom-Fokus und Zurück-zum-Fokus ist die Art, wie selbst bei sehr geübten Menschen Imaginationsübungen ablaufen. In Analogie zu der Gestalt eines Seerosenblattes wird dieser Prozess in der buddhistischen Tradition als „1000-blättriger Lotus“ bezeichnet.

Werner Eberwein

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