Wer war Jean-Paul Sartre?

Jean-Paul Sartre (1905-1980) war ein französischer Philosoph, Romancier, Dramatiker und Publizist. Mit seinem philosophischen Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“ (1943) wurde er zum Hauptbegründer und -vertreter des Existentialismus und zu einem der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts.

Sartre setzte sich intensiv mit der Freud’s Psychoanalyse und Husserl’s Phänomenologie auseinander. Er las Heidegger, Faulkner und Kafka. Er war aktiver Antifaschist. Er gründete 1941 die Widerstandsgruppe „Sozialismus und Freiheit“ gegen das Vichy-Regime, das mit den Nazis kollaborierte.

Seit den Nachkriegsjahren bis zu seinem Tod war Sartre der tonangebene französische Intellektuelle. Er verstand sich als Marxist und sympathisierte mit der Kommunistischen Partei Frankreichs (die ihn allerdings als „anarchistischen bürgerlichen Intellektuellen“ bekämpfte), was den Bruch mit etlichen liberalen französischen Linken nach sich zog, besonders mit Albert Camus. Er sympathisierte zeitweise mit dem sowjetischen und Sozialismus, kritisierte aber (besonders nach der sowjetischen Intervention in Ungarn 1952) ihre autoritäre und menschenverachtende Politik.

Im Pariser Mai 1968 demonstrierte er an der Seite der fundamentalistischen linken Studenten und sympathisierte 1970-73 mit dem Maoismus. Aufsehen erregte 1974 sein Besuch in Deutschland bei dem RAF-Begründer Andreas Baader in Stuttgart-Stammheim, den er als politischen Häftling betrachtete. Bis zu seinem Tode setzte er sich gegen Menschenrechtsverletzungen und für die Entrechteten ein, z.B. gegen den französischen Algerien- und Indochinakrieg und später den Vietnamkrieg, noch ein Jahr vor seinem Tod für die „Boatpeople“, die aus Vietnam flüchteten.

Seine zahlreichen Theaterstücke, Romane, Erzählungen und Essays machten ihn weltbekannt. Durch sein bedingungsloses humanitäres Engagement, besonders gegen den französischen Algerien-Krieg und den amerikanischen Vietnamkrieg, wurde er zu einer Art Weltgewissen. 1964 lehnte er die Annahme des Nobelpreises für Literatur ab mit der Begründung, er wolle seine Unabhängigkeit behalten.

Eine Auswahl seiner Werke

  • Die Transzendenz des Ego (1936)
  • Der Ekel (1938)
  • Die Mauer (1939)
  • Das Sein und das Nichts (1943)
  • Das Spiel ist aus (1943)
  • Geschlossene Gesellschaft (1943)
  • Der Existenzialismus ist ein Humanismus (1946)
  • Tote ohne Begräbnis (1946)
  • Die Zeit der Reife (1945)
  • Moderne Zeiten (Zeitschrift, seit 1945)
  • Die ehrbare Dirne (1945)
  • Die Wege der Freiheit (1946)
  • Die schmutzigen Hände (1948)
  • Der Teufel und der liebe Gott (1951)
  • Saint Janet, Kömödiant und Martyrer (1952)
  • Überlegungen zur Judenfrage (1952)
  • Beaudelaire (1953)
  • Die Eingeschlossenen (1959)
  • Kritik der dialektischen Vernunft (1960)
  • Die Wörter (1963)
  • Bariona oder Der Sohn des Donners (1970)
  • Der Idiot der Familie. Gustav Flaubert (1971)

Werner Eberwein

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