Welche Formen von Depression gibt es?

Früher unterschied man

  • endogene Depression (auch „Major Depression“), angeblich aufgrund von Stoffwechselstörungen im Gehirn, gedacht als Form einer affektiven Psychose,
  • neurotische Depression, verstanden als Erschöpfungszustand durch anhaltende belastende Erfahrungen und
  • reaktive Depression als akute Reaktion auf ein aktuelles belastendes Ereignis.

Im derzeit für die Diagnostik und Behandlung in Deutschland maßgeblichen Diagnose-Rahmenwerk ICD10-GM, Version 2014 werden Depression in unterschiedliche diagnostische Gruppen eingeordnet:

Organische psychische Störungen

  • F06:organische oder toxische Depression – als psychische Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krankheit (neurologisch/hormonell/durch Drogen/in Folge von Infektionen)

Affektive Störungen

  • F31: bipolare Störung: wiederholter Wechsel von Hochstimmung (Manie) und Niedergedrücktheit (Depression), schwerer als Zyklothymie F34 (leicht/schwer, hypomanisch/manisch, ohne/mit psychotischen Symptomen) (früher: „manisch-depressive Störung“)
  • F32: depressive Episode: einzelne Episoden von Depression (leicht/schwer, mit/ohne psychotische Symptome)
  • F33: rezidive Depression (leicht/schwer, mit/ohne psychotische Symptome)
  • F34.0 Zyklothymia: Instabilität der Stimmung mit zahlreichen Episoden von gehobener und niedergedrückter Stimmung, leichter als bipolare Störung F31
  • F34.1: Dysthymia: leichtere, aber anhaltende Depression, Dauer mindestens 2 Jahre (früher: „Melancholie“, „neurotische Depression“, „chronische Depression“)

Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

  • F 43.20: depressive Reaktion als Anpassungsstörung: während oder nach belastenden Lebensereignissen, auch z.B. Hospitalismus, Kulturschock, Trauerreaktion (früher „reaktive Depression“)

Krankheitszustände während der Schwangerschaft

  • F53.0: Schwangerschaft-/Wochenbett-Depression

Als Sonderformen werden bezeichnet:

  • anaklitische Depression: aufgrund von Verlassenheitserfahrungen bei Säuglingen und Kleinkindern z.B. durch Zuwendungsmangel in Heimen und Krankenhäusern
  • somatisierte Depression: vorherrschend körperliche Beschwerden wie psychogene Schmerzen oder Beklemmungen
  • larvierte Depression: überdeckt durch andere Symptome wie Süchte, psychosomatische Störungen oder Schmerzen
  • agitierter Depression: vorherrschend innere Unruhe und rastlose Getriebenheit
  • narzisstische Depression: aufgrund einer narzisstischen Dynamik mit Störungen des Selbstwertgefühls und des Selbstbildes

Das DSM-5, das vor allem im amerikanischen Sprachraum verwendet wird, unterscheidet unter anderem zwischen:

  • Major Depression: schwere Depression
  • Minor Depression: leichte Depression
  • Double Depression: wenn im Rahmen einer chronischen, leichteren Dysthymia Episoden schwerer Depressionen auftauchen

Werner Eberwein

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