Was ist Verhaltenstherapie?

Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das aus den Lerntheorien heraus entwickelt wurde, und bei dem der Schwerpunkt auf dem gegenwärtigen Verhalten, seinen aktuellen Bedingungen und seiner pragmatischen Veränderung liegt.

Die Verhaltenstherapie ist entstanden aus Konditionierungsexperimenten und aus den Ergebnissen der experimentellen und empirischen Psychologie an den Universitäten.

Ursprünglich ging die Verhaltenstherapie von einem „Black-Box-„Modell aus, nach dem innerpsychische Vorgänge nicht von objektiv beobachtbar seien und da her nicht wissenschaftlich untersucht werden könnten. Heute bezieht die Verhaltenstherapie insbesondere Denkprozesse mit ein (kognitive Verhaltenstherapie) und orientiert sich an neurobiologischen Modellen.

Ziel der Verhaltenstherapie ist die empirische nachprüfbare Veränderung von problemaufrechterhaltendem Verhalten besonders durch Ausbildung und Förderung von Fähigkeiten. Verhaltenstherapeuten gehen davon aus, dass psychische Störungen durch Lernprozesse entstehen und daher durch die Anwendung von Lerngesetzmäßigkeiten auch wieder verlernt werden können. Einsichten in unbewusste Dynamiken, in biografische oder systemische Zusammenhänge sind für den verhaltnstherapeutischen Prozess nicht von zentraler Bedeutung.

Methoden

in der Verhaltenstherapie werden zur Zeit mehr als 50 Einzelverfahren eingesetzt. Sie können in drei Gruppen eingeteilt werden:

  • Von Konfrontationmethoden spricht man, wenn der Patient mit einem Angst erzeugenden Objekt (z.B. einer Spinne) bzw. einer Angst auslösenden Situationen (z.B. Reden in der Öffentlichkeit) in der Realität oder in der Vorstellung konfrontiert wird, damit er lernt, sich daran zu gewöhnen.
  • Operante Methoden erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Verhaltens durch Belohnung (Verstärkung) oder vermindern diese durch Wegnahme von Belohnung oder durch Zuführung unangenehme Reize (Bestrafung).
  • Kognitive Methoden verändern die gedankliche Interpretation und Bewertung, mit der der Patient seine Erfahrungen strukturiert und auf diese Weise indirekt sein Erleben und Verhalten.
  • In neuere Entwicklungen der Verhaltenstherapie wie beispielsweise die Schematherapie, die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) oder die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) gehen bestimmte Aspekte aus psychodynamischen Richtungen, aus hypnotherapeutischen und/oder meditativen Praktiken ein.

Die Verhaltenstherapie gehört neben Psychoanalyse und Tiefenpsychologie zu den Verfahren, die im ambulanten Bereich von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden.

Werner Eberwein

 

 

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