Es gibt eine Reihe von Supervisionstheorien: verhaltenstherapeutische, psychodynamische, humanistische usw. Lösungsorentierte Supervision ist eng verwandt (im Grunde in identisch) mit systemischer Supervision.

Die Supervision als Betrachtung erster Ordnung handelt es ich um eine Objekt-Subjekt-Differenzierung (Supervisand-Supervisor-Differenzierung), aufgrund derer der Supervisor mit seinem Expertenwissen Ratschläge gibt, wie sich der Supervisand verhalten soll. Lösungsorentierte Supervision folgt Betrachtung zweiter Ordnung, in dem der Supervisor den Supervisanden mit seiner Wirklichkeitskonstruktion fokussiert.

Das folgende ist eine Zusammenfassung des Buches „Lösungsorientierte Supervision-Tools“ von Heidi Neumann-Wirsig (Hrsg.).

Die Supervisanden sind in einer sogenannten „Problemtrance“, indem sie mit iher gesamten Aufmerksamkeit auf das Problem fokussieren. Alle Kompetenzen, Fähigkeiten, Lösungsmöglichkeiten werden in dem Moment ausgeblendet. „Diesem Sog wiedersteht der professionelle Supervisor“ (Heidi Neumann-Wirsig, S. 17).

Die Autoren behaupten, dass die Supervisanden Lösungen für ihre Probleme finden könnten, ohne dass der Supervisor das Problem überhaupt kennt. Kleine Schritte führen zu großen Veränderungen. Auf die „Warum“-Frage kann dabei weitestgehend verzichtet werden. Dem Supervisanden zu sagen, was er tun soll, ist nicht nützlich, es widerspricht der Haltung des Nichtwissens, eine Grundhaltung der Supervision, wie die Autoren sie verstehen.

Es gibt, nach Ansicht der Autoren, keine Probleme an sich, sondern die Bedeutungsgebung (Abwertungsprozesse, kognitive Leistungen, Aufmerksamkeitsfokussierung usw.) macht den problematischen Charakter von Problemen aus. Beispielsweise wäre es für manche Menschen ein besonders schöner Moment, vor vielen Menschen zu sprechen, während es für andere Menschen eine Horrorvision wäre: Der „Ist-Zustand“ ist dann abgewertet, der „Soll-Zustand“ ist aufgewertet.

Ein intersubjektives Realitätskonstrukt gestaltet sich: alternative Wahrnehmungen werden ausgeblendet, Erklärungen verworfen und positive Bewertungen abgelehnt. „Die Aufmerksamkeit verengt sich auf das, was nicht in Ordnung ist“ (aaO, S. 24).

Erklärungen werden nur als ausweglos akzeptiert: „Wir/ich bin dem hilflos ausgeliefert!“ Das Problem wird stabilisiert, indem sich die Personen so verhalten, als ob es aus dem Problem keinen Ausweg gäbe, oder als ob die Lösung sich in der Hand einer anderen Person befinde.

Lösungsorientierte Supervision

Die Lösungsorientierte Supervision von Steve de Shazer geht davon aus, dass die Erkundung des Problems entfallen kann indem der Supervisor sich an dem Ziel der Supervision orientiert. Eine „wohlformulierte“ Frage nach den Ziel ist: klein, konkret, wichtig, realisierbar, positiv formuliert und in eigener Kontrolle. In der lösungsorientierten Supervision gibt es drei Maßnahmen die Erfolg versprechen: „die Erkundung der Zielvision, die Entdeckung von Ausnahmen vom Problem, die Exploration von dem, was bleiben soll, wie es ist, und der Einsatz der Wunderfrage“ (aaO, S 25). Die Methoden, mit denen lösungsorientierte Supervision ihrem Ziel nahezukommen versucht, sind unter anderem: lösungsorientierte Fragen, die positive Bedeutungsgebung, die Arbeit mit Skalen, das Erkunden von Erfolgen und Ressourcen, den Future Perfekt und die Wunderfrage.

Systemisch-konstruktivistische Supervision

Systemisch-konstruktivistische Supervision nach Arist von Schlippe und Jochen Schweitzer setzt voraus, dass es „kein Problem an sich“ gibt, sondern dass Probleme immer durch eine gemeinsame Konstruktion von Wirklichkeit geschaffen würden. Insofern wäre die Leitfrage in der Supervision: „Wer sieht und beschreibt das Problem?“ Der Kontext (z.B. wichtige Personen, Vorannahmen, gegenseitige Erwartungserwartungen usw.) bestimmen wie ein Verhalten zu verstehen ist. „Aus systemischer Sicht bekommt jedes Phänomen seine Bedeutung und Wirkung aus seinen kontextuellen Wechselwirkungen“ (aaO, S. 26).

Systemisch-konstruktivistische Supervision unterstützt die Supervisanden darin, sich selbst aus einer „Metaperspektive“ zu sehen d.h. sich selbst aus einer Art „Vogelperspektive“ zu betrachten, damit Muster und Regeln sichtbar werden und das Verhalten als erwartbar  gesehen wird.

Die systematische Veränderungen des Kontextes durch Rekontextaktualisierung, Reframing, systemische-, zirkuläre-, hypothetische-, Ressourcen- und lösungsorientierte- und Verschlimmerungsfragen, Skalierung, positives Umdeuten, Skulptur, Auftellungen, reflektierende Teams, Systemzeichnungen., Arbeit mit Metaphern und inneren Anteilen sind die Methoden, mit denen systemisch-konstruktivistische Supervision arbeitet.

Hypnosystemische Supervision

Mit der Hypnosystemischen Supervision nach Gunther Schmidt bekommt die Hypnosetherapie von Milton Erickson einen Platz im Supervisionsgeschehen. Sie geht als kompetenzfokussiertes Verfahren davon aus, das jedes menschliche Erleben als Ergebnis von Aufmerksamkeitsfokussierung verstanden werden kann. In der Supervision erfolgt eine Umfokussierung in Richtung des gewünschten Erlebens und der Kompetenz.

Dabei schließt Hypnosystemische Supervision nicht direkt steuerbare, internale Prozesse (z.B. Gefühle, Körperhaltungen, Mimik, Gestik, Alters-, Raum- und Zeiterleben, Körperreaktionen, Blutdruck, Schweißausbrüche usw.) mit in die Supervision ein. Methoden sind u.a. Utilisationstechniken, Imagination, das Seitenmodell, Metaphern, Bilder, Skulpturen, Bewegungen, Choreografien usw.

Methoden

Methoden der lösungsorentierte Supervision wären zum Beispiel:

  • Lobkärtchen: Kärtchen werden auf den Tisch gelegt mit z.B. „Hut ab“, „Gut gemacht“ oder „Brillant“. Die Supervisionsgruppe wird dann angeleitet, auf die Rückseite des entsprechenden Kärtchen zu schreiben, was – mit Hinblick auf einen Nachbarn rechts von Ihnen – sie zu dem Kommentar „Hut ab“ o.ä. motiviert hat. Variante: „Für welche Kompetenz, die sich im Laufe des Jahres weiter bei Ihnen entwickelnden wird, können Sie sich am Jahresende welches Kompliment machen?“
  • Gelingende Begegnung: „Bitte erinnern Sie sich an eine Begebenheit, wo sie eine gelingende Begegnung erlebt haben. … Was genau war das Gelingende/Wohltuende/Berührende? … Wie war ihre Körperhaltung und ihre Atmung?“
  • Zufriedenheitsskala: „Wählen Sie eine Situation/ein Gespräch aus und skalieren Sie von null (nicht zufrieden) bis zehn (sehr zufrieden) die Situation/das Gespräch. … Mal angenommen, sie hätten ihren Zufriedenheit auf der Skala eins höher eingeschätzt. … Was hätten sie in dem Gespräch ganz konkret anders gemacht/gesagt?“
  • Mentor: „Stellen Sie sich vor, Sie wären ein förderlicher Berater/ein Mentor/ein weises Wesen. Das kann ein imaginierter Ratgeber, ein realer wohlmeinender Freund oder auf ein anderer Mensch sein, dessen Rat und Unterstützung sie schätzen. … Was raten Sie sich selbst als hilfreicher Berater?“
  • Hosentaschenanker: Das ist ein kleiner Stein, eine Postkarte, ein Zettel o.ä. sein, den der Supervisand in seine Hosentasche steckt, der das, was in der Supervision förderlich gesagt wurde, zum Ausdruck bringt.
  • Ressourcenohr: Mit dem „Ressourcenohr“ hört man die Fähigkeiten und Stärken des Supervisanden.
  • Zur Nachahmung empfehlen: „Welche Aspekte/Regeln/Rituale usw. kannst du einem anderen Supervisanden zur Nachahmung empfehlen?“
  • Gespräch mit vier Freunden: „Stell dir vor, du würdest ein freundschaftliches Gespräch mit vier guten Freunden führen, die die Perspektive von „dem Staunen“, „dem Humor“, „dem Mut“ und „der Skepsis“ einnehmen würden.“ Variante: „Du hast 15 Karten: der Auftrag, das Freche, das Ängstliche, der Verstand, das Gefühl, die Zuversicht, die Neugier, der Respekt, der Joker, die Hoffnung, der Zweifel, dass Mutige, dass Brave, die Skepsis und die Vogelperspektive. … Wie würden die – von ihrer Perspektive aus – die Ressourcen/die Fähigkeiten/deine Stärken bei dem Problem sehen?“
  • Die Wunderfrage: „Stellt dir vor, während du in der Nacht schläfst, ist dein Problem einfach weg, es ist einfach spurlos verschwunden. … Woran würdest du das merken, dass das Problem einfach verschwunden ist? … Woran würden andere Leute/Arbeitskollegen/deine Frau/dein Mann merken, dass das Problem verschwunden ist? … Was machst du anders?“
  • Wetterverhältnisse: „Stell dir vor, dass, analog zu den Problem, es ein „schlechtes Wetterverhältnis“ gibt, z.B. Regen, Nebel, die Wolken verdunkelen die Sonne usw. … Wie würdest du mit dem Wetter, dass du ja nicht verändern kannst, umgehen?“
  • Ein Gegenstand: „Stell dir vor, ein Gegenstand hier im Raum (z.B. eine Vase, ein Tisch, ein Bild o.ä.) könnte sprechen. … Was wolltest du – als der Gegenstand – schon immer mal zu dem Supervisanden sagen?“
  • Kopf-Herz-Bauch-der gesamte Körper: „Was sagt der Kopf/das Herz/der Bauch/der gesamte Körper zu dem Problem?“
  • Zukunftsvision: „Bilden Sie eine Zeitlinie (ein Strick im Raum, zwei Kissen, zwei Stühle o.ä.) von der Gegenwart bis zu der erwünschten Zukunft. … Stellen/setzten sie sich auf den „Zukunftsanker“. … Schauen Sie zurück zur Gegenwart. … Wie haben Sie das geschafft, in die positive Zukunft zu gehen, mit welcher Einstellungen, mit welchem Verhalten o.ä. … Wovon mussten sie sich trennen, auf dem Weg, in die positive Zukunft?“
  • Das Seitenmodell: „Du hast eine unbefriedigende Situation beschrieben. … Bitte beschreibt doch einmal eine Situation, wo du das gewünschte Verhalten zeigen konntest. … Wie genau hast du das geschafft, diese Seite von dir antworten zu lassen? … Woran hast du erkannt, dass diese Reaktion für dich stimmig erschien? … Welche Person, die die dir nahe steht, hat diese Reaktion als angemessen eingestuft oder würde das tun?“

Es gibt noch eine Menge andere Methoden für lösungsorientierte Supervision.

Werner Eberwein