Was ist die Simonton-Methode?

Die Simonton-Methode ist eine nach dem amerikanischen Radio-Onkologen Carl Simonton (1942-2009) benannte integrative Methode der psychologischen Behandlung und Selbsthilfe bei Krebs

Simonton gilt als Pionier der Psycho-Onkologie. Er gründete und leitete das Simonton Cancer Center in Malibu (USA) und arbeitete 30 Jahre lang mit Krebspatienten. Ab Anfang der 1970er Jahre entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau, der Psychotherapeutin Stefanie Simonton und der amerikanischen Psychologieprofessorin Jeanne Achterberg ein ganzheitliches Konzept zur Behandlung von Krebs mit dem hautpsächlichen Ziel, dem Erkrankten sein körperliches, geistiges und emotionale Gleichgewicht wiederzugeben.

Die Simonton-Methode versteht sich als psychologischer Ergänzung medizinischer Behandlungsmaßnahmen, nicht als Alternative und nicht als eigenständige Form der Krebsbehandlung. Optimal sei nach Simonton eine Kombination aus

  • der bestmöglichen medizinischen Behandlung bei
  • umfassender Information des Patienten und
  • intensiver, individuell angemessener psychischer Unterstützung.

Da der Krebspatient durch den Krebsbefund unweigerlich ein psychisches Trauma erleide, in einem Zustand der Überforderung geworfen werde und unmittelbar mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert werde, sei es dringend erforderlich, sich mit diesen Bedrohungen ressourcenorientiert psychisch auseinander zusetzen.

Simonton war Pragmatiker. Er arbeitete mit den verschiedensten Methoden, sofern Sie für die Patienten hilfreich waren (z.B. Meditation, kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose, Trance-Trommeln, Primärtherapie nach Janov, Tiefenpsychologie usw.).

Simonton ging davon aus, dass die Entstehung, die Entwicklung und die Heilung bzw. das Wiederauftreten von Krebs ein Zusammenspiel von Körper und Seele sein. Die Gedanken und Einstellungen eines Menschen beeinflussten seine Gefühle, und diese wiederum seine körperlichen Prozesse. Spontanheilungen seien, so Simonton, wesentlich häufiger, als einige allgemein angenommen werde – es sei ein Skandal, dass sie bis heute kaum wissenschaftlich untersucht würden.

Kernelement der Simonton-Methode sind angeleitete Imaginationsübungen. Grundprinzip ist es, mit dem Patienten einzuüben, sich in einem Zustand vertiefter Entspannung das gewünschte Ergebnis (z.B. Gesundheit) oder einen nächsten Schritt in Richtung dorthin auf eine Weise vorzustellen, die für den Patienten persönlich passend und emotional bedeutungsvoll ist. Optimal sei es dabei, wenn der Patient seine eigene Form der Imagination erarbeite.

Nach einer einleitenden Entspannung könne sich der Patient z.B. mit all seinen Sinnen auf eine innere Vorstellung (Imagination) einstimmen, die für ihn persönlich Heilung, Gesundheit, Stabilität, Kraft, Freude und sinnerfülltes Leben symbolisiert. Beispielsweise könne er symbolisch sich selbst und seine Selbstheilungskräfte und die Behandlungsmethoden als stark und wirkungsvoll, den Krebs dagegen als schwach und leicht besiegbar vorstellen.

Ursprünglich arbeitete Simonton überwiegend mit aggressiven inneren Bildern, in denen der Patient sich sein Immunsystem z.B. als übermächtige Armee vorstellte, die die als Feinde imaginierten Krebszellen vernichtet. Solche aggressionfördernden Imaginationen hielt Simonton in seinen letzten Jahren für nur bei wenigen Patienten angemessen und arbeitete mehr mit ressourcenaktivierenden, Gesundheit und Lebensfreude sowie Zuversicht und Hoffnung betonenden Vorstellungen.

Unbestritten ist, dass das Simonton-Programm helfen kann, den psychischen Stress, der mit einer Krebserkrankung einhergeht, besser zu bewältigen und damit die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Dass sich Simonton-Imaginationsübungen positiv auch auf den Verlauf der Krebserkrankung selbst auswirken, ist zwar plausibel, kann aber bis heute (trotz einiger bestätigender Untersuchungen) wissenschaftlich noch nicht als gesichert gelten.

Ziele der Behandlung sind:

  • die Lebensqualität des Patienten zu verbessern,
  • das Vertrauen des Patienten in die Selbstheilungskräfte seines Körpers zu stärken,
  • die Nebenwirkungen der medizinischen Krebsbehandlungen zu mindern,
  • mit dem Patienten herauszuarbeiten, was ihm bisher geholfen hat, Krisen zu bewältigen, um diese Ressourcen auf die Krebserkrankung anzuwenden,
  • psychosomatische Bewältigungsmechanismen zu aktivieren,
  • den Patienten zu befähigen, mit Angstgefühlen und anderen Stressoren konstruktiv umzugehen,
  • das psychische Spannungsniveau herabzusetzen und das physiologische Gleichgewicht im Körper zu normalisieren,
  • psychische und soziale Ressourcen mit dem Patienten herauszuarbeiten, zu aktivieren und zu stärken,
  • dem Patienten zu unterstützen, eventuelle positive Effekte der Erkrankung nicht zu übersehen,
  • gemeinsam mit dem Patienten herauszuarbeiten, was dem Patienten in seinem Leben Sinn, Freude und ein Gefühl der Authentizität bringt,
  • dem Patienten zu helfen, mit der Möglichkeit des Verlusts von körperlichen Funktionen oder Organen, sowie des Sterbens seinen Frieden zu machen,
  • dem Patienten zu befähigen, gut zu leben, so dass er an jedem einzelnen Tag Freude hat, die das Leben lebenswert macht.

Werner Eberwein

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