Was ist das Unbewusste?

Der Begriff des „Unbewussten“ ist zentral für das Verständnis hypnotherapeutischer Prozesse. In der Hypnotherapie wird das Unbewusste als Träger autonomer Fähigkeiten gesehen, über die der bewusste Wille nicht verfügt. Unter anderem könne es Neurosen hervorbringen und heilen, wozu weder der Therapeut noch das Bewusstsein des Klienten fähig ist. Was aber ist das Unbewusste?

  • In der Freudschen Psychoanalyse wird das Unbewusste als etwas vorwiegend Negatives gesehen, als der Sitz des Verdrängten und der kulturell inakzeptablen Anteile des Trieblebens.
  • C.G. Jungs Unbewusstes ist ein rätselhaftes Land kollektiver religiöser Bezüge.
  • Wilhelm Reichs Unbewusstes umfasst die Fähigkeit der energetischen Selbstregulation und ist das Reservoir der Lebensenergie.
  • Milton Erickson, der Erneuerer der therapeutischen Hypnose, betonte die Selbstheilungskräfte des Unbewussten und betrachtete es vor allem als einen Speicher lebensgeschichtlicher Erfahrungen und Fähigkeiten („Ressourcen“), die für die Therapie nutzbar gemacht werden können. Erickson ging davon aus, dass er dem Klienten die therapeutischen Heilungsprozesse nicht von außen einzuflößen und überzustülpen brauchte, sondern dass es sehr viel effektiver war, sie aus dem Fähigkeits- und Erfahrungsspeicher des Klienten von innen her aufzubauen, sie also aus seinem Unbewussten „hervorzulocken“. Das verringert den Handlungsstress des Therapeuten. Er muss nicht als omnipotenter Wunderheiler auftreten, sondern kann den Klienten selbst (bzw. seinem Unbewussten) als kompetentesten Fachmann für seine Probleme behandeln, weil er alles, was er braucht, latent schon in sich trägt. Der Patient erlebt sich als kompetent, weil er selbst es ist, der Ressourcen aus seinem eigenen Unbewussten heraus schöpft, um aus seinem Leiden herauszuwachsen.

Werner Eberwein

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