Was ist Burnout?

Als Burnout (von engl. to burn out = ausbrennen) wird ein Prozess des psychischen Ausbrennens und der emotionalen Erschöpfung durch berufliche Überlastung bezeichnet.

Burnout wurde zunächst bei helfenden Berufen beschrieben und tritt vor allem bei Berufsgruppen auf, die durch Idealismus geprägt sind und vorwiegend aus Arbeit mit Menschen bestehen.

Menschen mit Burnout haben das Gefühl, sich lange Zeit stark für andere Menschen und für idealistische Ziele engagiert zu haben, dafür aber wenig Erfolgserlebnisse und wenig positives Feedback erhalten zu haben. Es gelingt dem Betreffenden nicht mehr, sich zu entspannen – auch ein Wochenende oder einen Urlaub wird nicht mehr als erholsam erlebt. Der Betreffende kann nicht mehr ab- bzw. zurückschalten, sich erholen und „seine Batterien aufladen“.

Burnout entsteht im Laufe einer längeren Entwicklung, die mit engagierter, idealistischer Begeisterung beginnt, über Enttäuschung und Überforderung zu Erschöpfung, Zynismus, psychosomatischen Erkrankungen, Depressionen, Abhängigkeiten, Ängsten bis hin zum totalen psychischen Zusammenbruch mit Suizidneigungen führen kann. Der Betreffende hat sich verausgabt, sein „inneres Feuer“ (seine Motivationsenergie) ist erloschen, seine  „Batterie“ ist leer, es fehlt ihm die Kraft zum Leben.

Das Burn-Out-Syndrom wird häufig von Depressionen, Ängsten, Abhängigkeiten und psychosomatischen Störungen begleitet.

Burnout gilt zunehmend als eine Volkskrankheit, es wird geschätzt dass 15 Mio. Menschen in Deutschland daran leiden.

Im ICD-10 wird Burnout als Zusatzdiagnose unter Z 73.0 „Ausgebranntsein“ als „Zustand der totalen Erschöpfung“ codiert.

Symptome von Burnout

Das Burnout-Syndrom ist gekennzeichnet durch:

  • Gefühle von Sinnlosigkeit und Versagen, Hoffnungslosigkeit, Wirkungslosigkeit und Wertlosigkeit,
  • überwältigende Erschöpfung, Schwäche, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Mattheit, Antriebsschwäche,
  • Verlust von Idealismus und Energie, Mangel an kreativen Ideen, reduzierte Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit,
  • Desillusionierung, Resignation, Frustration, Apathie,
  • Lustlosigkeit, Konzentrationsprobleme,
  • Angespanntheit, Gereiztheit, Aggressivität, Zynismus,
  • Depression, Mangel an Freude an der eigenen Tätigkeit,
  • Gefühle der Leere und des Ausgelaugtseins,
  • Schlafstörungen,
  • Heißhunger auf Süßigkeiten,
  • Missbrauch von Alkohol, Nikotin, Aufputschmittel, Psychopharmaka,
  • mangelndes Interesse am Beruf,
  • Stimmungsschwankungen,
  • psychosomatische Beschwerden (v.a. Magen-, Verdauung- und Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen),
  • nachlassendes sexuelles Verlangen,
  • Rückzug aus sozialen Kontakten,
  • Vernachlässigung von Ruhephasen, Hobbys und Freizeitbeschäftigungen,
  • Vernachlässigung des äußeren Erscheinungsbildes,
  • Distanziertheit von sich selbst und von anderen Menschen,
  • Ängste.

Phasen des Burnout-Syndroms

Freudenberger und North haben 12 Phasen des Burnout-Zyklus beschrieben:

  1. Drang, sich selbst und anderen etwas beweisen zu wollen,
  2. hohes Leistungsstreben um besonders hohe Erwartungen zu erfüllen,
  3. Überarbeitung mit Vernachlässigung eigener Bedürfnisse und sozialer Kontakte,
  4. Überspielen oder Übergehen von inneren Problemen und Konflikten,
  5. Zweifel am eigenen Wertesystem, Entfremdung von Werten,
  6. Verleugnung auftauchender Probleme, zunehmende Intoleranz und Geringschätzung anderer Menschen,
  7. Rückzug und Reduzierung der Sozialkontakte auf ein Minimum,
  8. beobachtbare Verhaltensänderungen, fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit,
  9. Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen, das Leben verläuft zunehmend mechanisch,
  10. innere Leere und Versuche, diese z.B. durch Sex, Überessen, Drogen zu überspielen,
  11. Depression, Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit, Perspektivlosigkeit,
  12. völlige Erschöpfung, akute Gefahr eines psychischen Zusammenbruchs mit Suizidneigungen.

(Freudenberger, H. & North, G.: Burnout bei Frauen – Über das Gefühl des Ausgebranntseins. Fischer 1992)

Ursachen von Burnout

Als Ursachen von Burnout gelten:

  • Überarbeitung, emotionale, psychische oder körperliche Überlastung in der Arbeit,
  • Überforderung durch Vorgesetzte oder durch Personalbewertungssysteme,
  • Unklarheiten in bzw. Konflikte mit der eigenen beruflichen Rolle den Klienten gegenüber,
  • Arbeit mit emotional als schwierig erlebten Klienten,
  • Unmöglichkeit, sich die Klientel selbst auszusuchen,
  • bürokratische und hierarchische Zwänge, zeitraubende und sinnlose Verwaltungsarbeit,
  • Zwang Tätigkeiten auszuführen, für die man nicht ausgebildet ist (z.B. Personalführung, Konfliktvermittlung, Buchhaltung, Verwaltungstätigkeiten, Berichterstellung),
  • Unmöglichkeit, unter gegebenen Umständen mit der Klientel befriedigen zu arbeiten,
  • mangelnde Möglichkeit, eigene Befindlichkeiten und Bedürfnisse in die Arbeit einzubringen,
  • mangelnde Möglichkeit, selbst Entscheidungen zu treffen,
  • Druck, Ziele verfolgen zu müssen, die den eigenen Wertvorstellungen nicht entsprechen,
  • Gleichgültigkeit, mangelnde Unterstützung, Behinderung, Intrigen, Konkurrenzgebaren von Kollegen oder Vorgesetzten,
  • Mangel an emotionaler Rückendeckung,
  • Mangel an positiver Rückmeldung, Lob und Anerkennung,
  • überstarke organisatorische oder soziale Kontrolle,
  • schlechtes Arbeits- oder Betriebsklima,
  • unrealistische Vorstellungen vom eigenen Berufsbild, die in Ausbildungen oder von Massenmedien vermittelt werden (z.B. hohe Erfolgsraten, Befriedigungserlebnisse, Vorstellungen von Kooperation und Dankbarkeit, Kreativität und Abwechslung),
  • private Probleme in Familie oder Partnerschaft,
  • unverarbeitete körperliche oder psychische Probleme,
  • schwach entwickelte soziale Netzwerke, mangelnde Freundschaften und Beziehungen, Einsamkeit.

Gesellschaftliche Faktoren

Hintergrund dieser Faktoren sind gesellschaftliche Veränderungen wie:

  • Zerfall familiärer und sozialer Bindungen,
  • Zerfall weltanschaulicher oder religiöser Einbindungen,
  • dadurch wird die Arbeit zunehmend höherer mit Erwartungen als Quelle von persönlicher Befriedigung besetzt,
  • Zunahme sinnloser bürokratischer Kontrollsysteme mit irrelevanten Erfolgskriterien (Stichwort: „Qualitätssicherung“),
  • erhöhter Druck am Arbeitsplatz und mangelnde Arbeitsplatz-Sicherheit (Stichworte: „Neoliberalismus“, „Raubtierkapitalismus“),
  • dadurch mangelnde Sicherheit der Lebensplanung und Bindungen an Tätigkeiten mit schlechten Arbeitsbedingungen.

Werner Eberwein

3 Antworten
  1. Franz Josef Neffe
    Franz Josef Neffe says:

    „Beim Burnout verbrennt nicht der Mensch sondern bloß der Schmarrn, den er sich ins Hirn setzen hat lassen.“ habe ich einmal auf meine Karte gedruckt.
    Mir ist durch Beobachtung und kleine Experimente für die neue Ich-kann-Schule aufgefallen, dass die Betroffenen sich etwas als Lösung erarbeiten wollen, was nicht die Lösung ist. Und sie erschöpfen, wie sie ebenfalls durch Pädagogik verkehrt gelernt haben, ihre begrenzten und in der Regel gar nicht zuständigen bewussten Kräfte dafür, während sie ihre tatsächlich zuständigen unbewussten Kräfte ebenso brav ignorieren.
    So, wie wir es gelernt haben, geht es nicht.
    So erschöpfen wir unsere bewussten Kräfte und uns statt unser „Betriebssystem“ verstehen und bedienen zu lernen.
    Mit ihrem „Gib Dir Mühe! Streng Dich an! Lass nicht locker! Überwinde Dich!“ entlarvt sich unsere Pädagogik als Problemverursacher. Wer sich Mühe gibt, kriegt sie. Wer sich anstrengt, ist angestrengt. Wer nicht locker lässt, ist immer verspannt. Wer sich überwindet, ist – von sich selbst -überwunden. Eine wahrhaft vernichtende Pädagogik, die wir da alle gelernt haben. Da kommt man mit Burnout noch beinahe glimpflich davon.
    Als Ich-kann-Schule-Lehrer strenge ich mich lieber ab als an und ich entmühe mich, wenn schon, statt mich zu bemühen. Statt meine feinsten und genialsten Kräfte ständig zu quälen und quälen zu lassen und dann auch noch dem Wahn zu verfallen, das sei Lernen, achte und stärke und pflege ich meine Kräfte und Talente lieber.
    Der Autofahrer füllt doch auch den Tank seines Autos immer wieder voll. Warum sind wir so dämlich (von „dämelen“ = benommen sein), die Tanks unseres Geistes und unserer Seele nie selbst nachzufüllen? Da ist es doch wohl die logische Folge, dass uns über kurz oder lang die Energie ausgeht.
    Wenn ich im übrigen zu jemand, dem die Kraft ausgegangen ist, auch nur ein gutes Wort spreche, können wir sofort eine Verbesserung aller Vitalfunktionen bei ihm messen. Noch deutlicher kann man die Lösung des Problems doch wohl kaum andeuten: „Sprich nur ein Wort, so wird Deine Seele gesund!“ Eine der effizientesten Soforthilfen für solche Fälle ist Coués Autosuggestion.
    Ich freue mich auf Eure Erfolge.
    Franz Josef Neffe

  2. Holger
    Holger says:

    Qualitätssicherungsmanagement in der Zahnarztpraxis war der letzte Auslöser, meine Praxis aufzugeben.
    Als angestellter Zahnarzt gehe ich wieder mit Freude zur Arbeit.

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