Stimmt es, dass in Kliniken häufig Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA's) als PsychotherapeutInnen eingesetzt werden?

Ja, leider ist das so. Im Spiegel Nr. 45/2013 erschien der Artikel

„Therapie beim Praktikanten“.

In dem Beitrag wird beschrieben, wie psychotherapeutische AusbildungspraktikantInnen (sogenannte „PiA’s“) in Kliniken ohne zureichende Ausbildung und oft ohne zureichende Anleitung und Aufsicht als PsychotherapeutInnen eingesetzt werden.

Angehende PsychotherapeutInnen müssen im Rahmen ihrer 3-5jährigen Postgraduierten-Ausbildung (also nach dem Master in Psychologie an der Uni) ein Jahr in einer Klinik arbeiten. Sie erhalten dafür in der Regel keinerlei Bezahlung oder höchstens eine minimale, eher symbolische Aufwandsentschädigung.

„An der Universität haben die meisten zuvor nur Grundlagen erlernt – viel Theorie, kaum Praxis. Viele Kliniken hält das dennoch nicht davon ab, die angehenden Arbeitskräfte als billige Arbeitskräfte zu missbrauchen. Statt eines Gehalts, berichten PiAs, gebe es, wenn überhaupt, oft nur Kantinengutscheine.“ (Der Spiegel Nr. 45/2013, S. 64)

Der Spiegel zitiert Helmut Gerlach, den ehemaligen Geschäftsführer der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg, der diese Praxis für einen „Skandal“ hält. Seit Jahren würden Kliniken eine juristische Grauzone ausnützen, weil der Gesetzgeber nicht genau definiert habe, was Psychotherapie-PraktikantInnen dürfen und was nicht, und wie genau ihre fachliche Aufsicht aussehen müsse, die infolge dessen „oft nur begrenzt oder gar nicht“ stattfinde (ebd.).

Werner Eberwein

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