Kann man jeden Menschen hypnotisieren?

„Ich glaube, bei mir geht das nicht …“ Das sagen oder denke viele Menschen, wenn Sie von Hypnose hören. Klappt das nun bei jedem Menschen, oder muss man bestimmte Fähigkeiten haben oder besonders beeinflussbar sein, um hypnotisiert werden zu können? Die Antwort darauf hängt davon ab, was man unter Hypnose versteht:

  • Versteht man unter Hypnose einen Zustand des Weggetretenseins und der Willenlosigkeit, in dem man einen Menschen dazu bringen kann, sich lächerlich zu machen oder Dinge gegen seinen Willen zu tun, so wie man das in der Show- oder Bühnenhypnose sehen kann, dann ist die Antwort: Leider kann man solche Dinge mit ziemlich vielen Menschen machen, aber es handelt sich um eine psychische Entwürdigung, daher werden seriöse Hypnotherapeuten solche Dinge nicht tun. Außerdem wird das, was die Showhypnotiseure zeigen, zwar mit großem Aufwand als Hypnose verkauft wird, aber es handelt sich dabei weitgehend um Tricks, die mit Hypnose gar nichts zu tun haben. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie Showhypnose funktioniert und was die Gefahren dabei sind, können Sie meinen Artikel „Showhypnose – wie funktioniert das“ lesen.
  • Wenn man unter Hypnose einen vertieften Entspannungs- und Versenkungszustand versteht, in dem der Patient der besonderen Funktionsweise und den speziellen Fähigkeien seines Unterbewusstseins näher ist, so wie das in der seriösen klinischen Hypnose und der Hypnotherapie verstanden wird, dann wäre die Antwort: Mit den modernen Methoden der Hypnose ist nahezu jeder Patient, der das möchte, eine Trance erleben, deren Tiefe für praktisch alle therapeutischen Anwendungen ausreicht. Der Stand der Kunst in der Hypnotherpie ist die moderne Hypnose nach Milton Erickson, einem amerikanischen Psychiater und Psychotherapeuten, der eine Vielfalt von Methoden der sanften, indirekten und individualisierten Hypnose entwickelt hat, die es ermöglichen, auch solche Patienten in Trance zu führen, denen das mit den traditionellen direktiven Techniken („Ihr rechter Arm ist ganz schwer … Sie werden müde … schlafen Sie jetzt …“) nicht möglich ist. Klinische Hypnose und Hypnotherapie verstehen sich als Unterstützung autonomer Such- und Selbstheilungsprozesse in vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Patienten.

Die Hypnotisierbarkeit ist auch abhängig von der Beziehung zwischen dem Hypnotherapeuten und dem Patienten, vom Ausbildungsstand, der Flexibilität und der Erfahrung des Therapeuten sowie von der Motivation, der Absorptionsfähigkeit und der Kooperationsbereitschaft des Patienten.

Manche Patienten können außerdem eher hypnotische „Negativ-Phänomene“ erleben, bei denen etwas im Erleben „verschwindet“, z.B. hypnotische Amnesie oder Anästhesie. Andere können leichter „Positiv-Phänomene“ erleben, bei denen in Trance etwas erlebt wird, was sonst nicht erlebt werden kann, z.B. hypnotische Halluzinationen oder Imaginationen. Beide Neigungen bzw. Begabungen können von einem erfahrenen Hypnotherapeuten erkannt und im Sinne der therapeutischen Anwendung genutzt werden.

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, können Sie meinen Artikel „Was ist, was kann Hypnotherapie?“ lesen.

Werner Eberwein