Was heißt „intuitives Erfassen von Interaktionsmustern“?

Eine der wichtigsten Fähigkeiten, die ein humanistischer Psychotherapeut entwickelt haben muss (neben der Fähigkeit zur Empathie und zur Selbst-Zurücknahme) ist die Fähigkeit, Beziehungsmuster zu erfassen. Mustererkennung geht über psychopathologische Diagnostik hinaus. Beziehungsmuster sind vielfältig und vielgestaltig, manche tauchen nur passager oder situationsspezifisch auf, sie können durch standardisierte Tests oder Fragebögen in ihrer Komplexität nicht erfasst werden. Weiterlesen

Was ist die hermeneutische Spirale?

Das Verstehen des Patienten zielt auf die Person des Patienten als Einheit, in seiner Ganzheit. Einen isolierten, einzelnen Satz, den ein Mensch sagt, eine einzelne Geste, einen einzelnen Körperausdruck kann man für sich genommen nicht verstehen. Wenn man einen Menschen zum ersten Mal sieht, und er sagt z.B.: „Mein Leben ist gerade nicht einfach“, oder er seufzt oder lässt die Schultern hängen, dann kann das vieles bedeuten. Die Bedeutung einzelner Sätze oder Gesten ergibt sich erst aus dem Zusammenhang. Man muss zumindest einiges von der ganzen Person des anderen wissen und verstanden haben, bevor man einzelne Sätze oder Körperausdrücke verstehen kann. Das Ganze der Person wiederum versteht man erst allmählich durch einzelne Äußerungen hindurch. Weiterlesen

Was ist Phänomenologisches Verstehen?

Humanistische Psychotherapie kann verstanden werden als verstehende Auseinandersetzung, als Verstehen von Auseinandersetzungen, als Auseinandersetzung um zu Verstehen, als Veränderung durch Verstehen und als Hilfe zum Selbstverstehen.

Patienten kommen zur Therapie, wenn sie unter etwas leiden, das sie nicht verstehen. Sie fühlen sich eigenen Gefühlen und Reaktionen ausgeliefert. Innere Konflikte, Mangelzustände und leidvolle Identifizierungen werden in der humanistischen Psychotherapie verarbeitet, indem Patient und Therapeut gemeinsam versuchen zu verstehen, worum es eigentlich geht. Dabei bemüht sich ein humanistischer Psychotherapeut, in seinem Verstehen nahe am Erleben des Patienten und an seinem eigenen Erleben zu bleiben (Rogers 2014). Weiterlesen

Was versteht man unter der Dialektik der Patient-Therapeut-Beziehung?

Die Beziehung zwischen Patient und Therapeut ist eine ganz besondere zwischenmenschliche Konstellation. Sie beinhaltet eine Reihe von spezifischen Widersprüchen (von denen einige weiter unten beschrieben werden), die nicht als logische Paradoxien oder als ausschließendes Entweder-Oder verstanden werden können, sondern als Dialektiken, bei denen jeweils eine Seite die andere ermöglicht und bedingt, und deren Reibung miteinander den Fortschritt des therapeutischen Prozesses hervorbringt. Weiterlesen

Was ist Intersubjektivität?

In der humanistischen Psychotherapie versteht man die therapeutische Beziehung als intersubjektiven Prozess professioneller Auseinandersetzung mit den Problemen des Patienten.

Das intersubjektive, dialogische Verständnis wurde von humanistischen Psychotherapeuten bereits in den 1960 er Jahren betont, lange bevor es von nahezu allen anderen psychotherapeutischen Verfahren adaptiert wurde (Bohm 2017, Buber 1999, Doubrawa & Staemmler 2003, Friedmann 1987, Hycner 1989, Staemmler 2015, Wenck 2008, Yontef 1999 u.v.a.). Weiterlesen

Was sind Beziehungsmuster?

In der humanistischen Psychotherapie geht es zentral um das Erkunden und Transformieren generalisierten Beziehungsmuster.

Unter Beziehung werden hier sowohl
dauerhafte Strukturen der Gestaltung des Kontakts mit anderen Menschen verstanden, als auch
– die Art und Weise, wie ein Mensch auf sich selbst (z.B. auf seine Identität, seine Überzeugungen, seinen Körper, seine Geschichte, seine Zukunftspläne usw.) bezogen ist, und auch
– die vielfältigen Interaktionen zwischen Anteilen der Persönlichkeit, die selbst wechselseitig und komplex aufeinander bezogen sind.

Manche Beziehungsmuster sind im unmittelbaren Erleben präsent, andere werden nur in ihren Auswirkungen erlebt, dann müssen die zugrundeliegenden Beziehungsmuster erst entschlüsselt und zugeordnet werden. Weiterlesen

Was ist Übertragung und Gegenübertragung?

Grundsätzlich handelt es sich bei den als „Übertragung“ und „Gegenübertragung“ bezeichneten Prozessen um Phänomene, die in jeder Form von Kontakt zwischen Menschen auftreten. Gemeint ist damit, dass alte Erfahrungenen in zwischenmenschlichen Beziehungen und Bindungen, alte Gefühle, Erwartungen, Fantasien, Wünsche und Ängste in aktuellen Beziehungen reaktiviert werden.

Die vielfältigen Bezüge zwischen der alten Dynamik, so wie sie real damals gewesen ist, ihrer bewussten und unbewussten Verarbeitung und Interpretation durch die Beteiligten und den unterschiedlichen Formen ihrer Reaktivierung in aktuellen Interaktionen stellen ein komplexes System dar, in dem vielerlei Faktoren und Ebenen eine Rolle spielen. Das Grundprinzip ist jedoch recht einfach: Weiterlesen

Was ist Trancekörperarbeit?

Veränderte Bewusstseinszustände (genannt „Trance“) entstehen häufig beiläufig in der Körper- und Bewegungsarbeit. Wenn man sie als solche erkennt und weiß, was in Trance-Zuständen möglich ist, wie man Menschen gezielt in eine Trance hinein- und sicher wieder herausführt, wie man mit Menschen in Trance kommuniziert ohne dass sie „aufwachen“, wie man sie in ihrem Trance-Erleben begleitet, und wie man Trance-Zustände therapeutisch nutzen kann, entsteht eine fruchtbare integrative Arbeitsweise: Trancekörperarbeit. Weiterlesen

Wer war Albert Pesso?

Am 19.5.2016 starb Albert Pesso, der Begründer des Pesso Boyden System Psychomotor, einer integrativen Variante der Körperpsychotherapie. Ich habe ihn auf dem 2. AGHPT-Kongress 2014 kennengelernt, sowohl persönlich im Gespräch als auch seine warmherzige und einfühlsame therapeutische Arbeit im Seminar. Unten ein Nachruf von Prof. Jürgen Kriz.

Werner Eberwein

Albert-Pesso_Nachruf

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Warum braucht gelingende Bindung einen Körper?

Ich freue mich über einen Gastbeitrag von Thomas Harms über seine Erfahrungen in der Arbeit mit Säuglingen und ihren Familien. Werner Eberwein. Thomas Harms ist Diplom-Psychologe, er arbeitet seit über 25 Jahren im Feld der Krisenintervention und bindungsbasierten Körperpsychotherapie mit Säuglingen, Kindern und Erwachsenen. Zentrale Themen seiner Arbeit sind die körperpsychotherapeutische Arbeit mit Eltern und […]

Was ist Körperpsychotherapie?

Körperpsychotherapie ist eine Richtung der Psychotherapie, die auf den Arbeiten von Wilhelm Reich aufbaut. Reich war Psychoanalytiker und Schüler von Sigmund Freud in Wien; daher sind viele Konzepte der Körperpsychotherapie ursprünglich aus psychodynamischen Ansätzen heraus entwickelt worden. In der Körperpsychotherapie wird mit aktivierten Gefühlen gearbeitet. Durch Körperarbeit können die Gefühle des Patienten mobilisiert, aber auch beruhigt werden.

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Warum gehört die Körperpsychotherapie zur Humanistischen Psychotherapie?

In einem 9-minütigen Kurzvortrag habe ich (Werner Eberwein) auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Körperpsychotherapie (DGK) 10.-13.9.2015 ausgeführt, warum die Körperpsychotherapie trotz ihrer historischen und konzeptuellen Bezüge zu psychodynamischen Richtungen ein humanistischer Ansatz ist:

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Was ist Körperpsychotherapie?

Körperpsychotherapie ist eine Richtung der Psychotherapie, die auf den Arbeiten von Wilhelm Reich aufbaut. Reich war Psychoanalytiker und Schüler von Sigmund Freud in Wien; daher sind viele Konzepte der Körperpsychotherapie ursprünglich aus psychodynamischen Ansätzen heraus entwickelt worden. In der Körperpsychotherapie wird mit aktivierten Gefühlen gearbeitet. Durch Körperarbeit können die Gefühle des Patienten mobilisiert, aber auch beruhigt werden.

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Was ist körperpsychotherapeutische Atemarbeit?

Körperpsychotherapeutische Atemarbeit ist eine Arbeitsweise bzw. eine Facette innerhalb der Gesamtheit der Arbeitsweisen der Körperpsychotherapie, in der der Fokus auf dem Atemmuster des Patienten liegt. Körperpsychotherapeutische Atemarbeit kann auf vielfältige Weise zur Selbsterfahrung, zur Körper-Diagnostik oder als Intervention eingesetzt werden. Weiterlesen

Inwiefern ist die Körperpsychotherapie ein Teil der Humanistischen Psychotherapie?

Was wissenschaftliche Psychotherapie ist und welcher psychotherapeutische Ansatz zu welchem Verfahren zuzurechnen ist, entscheidet auf der bürokratischen Ebene zur Zeit der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie (WBP), der mit je 6 Vertretern der Bundesärztekammer und der Bundespsychotherapeutenkammer besetzt ist. Wenn ein Psychotherapieverfahren vom Beirat als wissenschaftlich anerkannt ist, kann es Approbationsausbildungen zum Psychotherapeuten anbieten. Wenn man die Terminologie des Wissenschaftlichen Beirats zugrunde legt, gibt es zur Zeit in Deutschland vier psychotherapeutische „Verfahren“:

  • das Psychodynamische,
  • das Behaviorale,
  • dass Systemische und
  • das Humanistische Verfahren.

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Was ist Biodrama?

Für die Arbeit mit äußeren und inneren Konflikten hat sich in der humanistischen Körperpsychotherapie die Arbeit mit dem Biodrama, also mit körperorientierten Rollenspielen bewährt. Das Biodrama ist dem Psychodrama verwandt, im Unterschied zu diesem aber weniger strukturiert, spielerischer und vielfältiger in Aufbau und Anwendungen, und der Schwerpunkt liegt stärker auf dem körperlichen Ausdruck von Emotionen in Mikro-Interaktionen, während er beim Psychodrama eher auf dem spielerischen Ausdruck von komplexeren Interaktionsszenen liegt. Weiterlesen

Buch "Humanistische Psychotherapie – Theorien, Methoden, Wirksamkeit"

Soeben ist das Buch „Humanistische Psychotherapie – Theorien, Methoden, Wirksamkeit“ erschienen, herausgegeben von Manfred Thielen und mir. Es enthält Beiträge von prominenten Vertretern aller Humanistischer Richtungen sowie von integrativen Ansätzen und empirische Belege der Wirksamkeit der Humanistischen Psychotherapie.

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Was sind die Grundgedanken der Körperpsychotherapie?

Spannend ist die Körperpsychotherapie schon deswegen, weil das Spüren des eigenen Körpers uns ganz grundlegend ein Gefühl der zweifelsfreien Sicherheit im subjektiven Erleben der eigenen materiellen Existenz vermitteln kann (sofern es nicht durch Dissoziationsprozesse abgespalten ist). Diese „Seinsgewissheit“ durch die Leiberfahrung ist die zuverlässigste Basis des Realitätsbezuges, was insbesondere für strukturschwache und von emotionalen Überflutungen bedrohte Patienten zentral wichtig ist. Das leibliche Befinden ist nichts statisches sondern wird in Form von vitalen Grundrhythmen erlebt: Einatmen – Ausatmen, Anspannung – Entspannung, Kontraktion – Expansion, Aktivität – Ruhe usw. Weiterlesen

Wie arbeitet man mit „Schreibabies“?

In seinem Buch „Emotionelle Erste Hilfe: Bindungsförderung – Krisenintervention – Eltern-Baby-Therapie“ (Leutner-Verlag 2008) beschreibt der Bremer Psychologe und Körperpsychotherapeut Thomas Harms die Theorie und Praxis des „Rebonding“ zur Arbeit mit „Schreibabies“ und deren Eltern. Thomas Harms ist Leiter des Zentrums für primäre Prävention (ZePP) in Bremen und Vorsitzender der Wilhelm-Reich-Gesellschaft. Er hat den Sammelband „Auf die Welt gekommen: Die neuen Baby-Therapien“ (Leutner-Verlag, 2000) herausgegeben. Weiterlesen

Was ist die Bindungstheorie?

Die Bindungstheorie ist eine entwicklungspsychologische Theorie, die sich mit den Eigenarten, Ursachen, und Folgen frühkindlicher Bindungsprozesse beschäftigt. Sie geht davon aus, dass Kleinkinder ein angeborenes Bedürfnis haben, dauerhafte, enge und emotional intensive, Sicherheit gebende Beziehungen („Bindungen“) zu ihren primären Bezugspersonen aufzubauen. Die Bindungstheorie untersucht die Wirkungen des Interaktionsverhaltens der Bindungsperson/en auf die kindliche Entwicklung sowie die generationsübergreifende Weitergabe von Bindungsmustern. Weiterlesen

Was unterscheidet Gruppenpsychotherapie von Einzelpsychotherapie?

Aus meinen Erfahrungen in nunmehr fast 30 Jahren der Leitung einer wöchentlichen körperorientierten Therapiegruppe kann ich sagen, dass die Prozesse in solchen Gruppen derart vielfältig, vielgestaltig und komplex sind, dass es mir unmöglich wäre, sie systematisch unter einem oder wenigen Gesichtspunkten zu beschreiben. Daher möchte ich hier eine Reihe von Betrachtungsebenen auffächern, also Sichtweisen darauf, was eine Therapiegruppe im Unterschied zu einer Einzel-Psychotherapie bzw. darüber hinaus sein kann. Weiterlesen

Was sind die Voraussetzungen für das Praktizieren psychotherapeutischer Körperarbeit?

Psychotherapeutische Arbeit mit dem Körper erfordert neben der juristischen Zulassung zur Ausübung eines psychotherapeutischen Heilverfahrens (durch eine Approbation oder eine Anerkennung als Heilpraktiker) ein gründliches Hintergrundwissen besonders über entwicklungspsychologische und psychopathologische Zusammenhänge sowie eine gründliche, mehrjährige praktische und theoretische Ausbildung in Körperpsychotherapie mit intensiver Eigenerfahrung und Supervision. Weiterlesen

Was ist MBSR?

MBSR (engl. Mindfulnes Based Stress Reduction: Achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung) ist ein ab 1979 von dem US-amerikanischen ehemaligen Molekularbiologen John Kabat-Zinn, Ph.D. (*1944) entwickeltes Gesundheitsprogramm zur Stressbewältigung durch erweiterte Achtsamkeit und zur Unterstützung bei der Entwicklung einer gesundheitsfördernden Lebensführung. Weiterlesen