Körperorientierte und psychodynamische Hypnotherapie

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Symptome und Syndrome

Wer am eigenen Leib tiefgehende therapeutische Prozesse erlebt hat, weiß, daß die hartnäckigsten Unzulänglichkeiten nicht nur punktuell und begrenzt sind, wie ein Soßenfleck auf einem ansonsten blütenweißen Hemd. Zentrale Schwierigkeiten, Depressionen, Ängste, Zwänge, Abhängigkeiten, Rückzugs- oder Entgrenzungsneigungen durchdringen den Charakter wie ein Pilz, der mit seinen unsichtbaren Fäden das ganze Mauerwerk einer Hauswand durchzieht. Psychisches Leid ist nicht nur hier, sondern auch dort, nicht nur dann, sondern auch vorher und nachher.

Die 32jährige Anna kam zur Therapie wegen anhaltender Schlafstörungen. Sie schlief seit Wochen nur zwei bis vier Stunden pro Nacht und fühlte sich am Tage entkräftet und ausgelaugt. Die Schlafstörungen waren ausgelöst worden durch einen Seitensprung ihres Freundes, wodurch sie sich in der Beziehung nicht mehr sicher fühlte.

Wenn ich kurzzeittherapeutisch mit Anna gearbeitet hätte, dann hätten wir das Symptom, also die Schlafstörungen, als zu behandelndes Index-Problem vereinbart. Als ich sie aber fragte:

„Stell dir vor, die Schlafstörungen sind verschwunden, und du kannst wieder gut und tief durchschlafen – wäre dann erledigt, weswegen du zur Therapie gekommen bist?“

Anna sagte: „Nein, da sind noch viele andere Dinge.“

Im Laufe der Therapie ergab sich, daß sie eine panische Angst davor hatte, verlassen zu werden, obwohl sie sich gleichzeitig von ihrem Freund eingeengt und kontrolliert fühlte. Er habe praktisch nie Lust zu irgendwelchen Aktivitäten, und sie habe schon seit langer Zeit keine Lust mehr auf körperliche Nähe mit ihm. Sie konnte sich nicht wirklich einlassen, sich aber auch nicht trennen. Gleichzeitig empfand sie eine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit. Sie hatte große Angst vor Gewalttätigkeit in intimen Beziehungen und eine tiefe Verachtung für alle Männer im sexuellen Bereich.

Die Schlafstörungen waren nur ein Symptom im Rahmen eines Syndroms von Ängsten, Abhängigkeiten, Beziehungs-, Selbstwert- und sexuellen Problemen. Sie hatte nicht nur ein einziges, eingrenzbares Problem, sondern eine Vielzahl von Schwierigkeiten in praktisch allen Lebensbereichen, und nicht nur jetzt, sondern schon so lange sie sich zurückerinnern konnte.

Ihre multiplen Störungen waren Ausdruck einer Verzerrung der Struktur ihrer Persönlichkeit, die nach Kernberg als Borderline-Dynamik verstanden werden konnte. Die Strukturpathologie ging zurück auf eine von schwerem Alkoholismus, massiver Gewalt, Grenzüberschreitung und Entwertung geprägten Beziehungsdynamik mit ihren Eltern, die man mit dem Satz zusammenfassen könnte:

„Wenn ich mich einlasse, werde ich vernichtet - aber ohne Nähe kann ich nicht leben.“ ... oder:
„Ich hasse dich, verlaß mich nicht.“

Die psychodynamische Hypnosetherapie setzt an den Index-Symptomen an, die der Patient zu Beginn der Therapie nennt, aber sie läßt es mit diesen nicht bewenden. Das eigentliche Arbeitsfeld der Hypnoanalyse und Hypnodynamik sind die generalisierten, strukturellen Störungen des Selbst.

Dabei sind meines Erachtens auch die persönlichkeitsanalytischen Begriffe wie „borderline“, „narzisstisch“, „schizoid“ usw. nur pragmatische Schubladen, die man genau kennen muss, die aber dennoch den Patienten als Person niemals abbilden. Einen Menschen auf eine diagnostische Kategorie zu reduzieren, engt den Blick ein und entwürdigt den Menschen. Diagnosen sind nützliche Hilfsmittel, wenn man sich von ihnen auch wieder lösen kann.

 

Die Induktion in der psychodynamischen Hypnose

Wie und wann kann man in einem psychodynamischen Therapieprozeß Hypnose einsetzen? Am Anfang der Sitzung steht, ähnlich wie in der zielorientierten Hypnose, der Spannungsbogen zwischen dem, was der Patient hat, also seinem augenblicklichen Zustand, und dem, was er möchte, also seinem Ziel. Dieser Konflikt wird in der psychodynamischen Hypnose zum Ausgangspunkt eines autodynamischen aufdeckenden Tranceprozesses, der Schritt für Schritt in die Tiefe des Unbewußten führt.

Die 27jährige Brigitte, Mutter einer vierjährigen Tochter wollte, wie sie sagte, in der Therapie „den Kontakt zu sich selbst wiederfinden“. Ihr Mann habe sich nach fünf Beziehungsjahren von ihr getrennt, weil er es nicht verkraftet habe, daß sie, als sie eines Abends im Vollrausch durchs nächtliche Berlin marschiert war, sich nur mit großer Mühe zweier Männer erwehren konnte, die, nachdem sie sie in eine dunkle Ecke gezerrt hatten, ihre Hosen schon heruntergelassen hatten. Im letzten Moment konnte sie weglaufen. Dies aber sei der Auslöser für den Beziehungszusammenbruch gewesen. Seither laste ein Bleigewicht auf ihrem Leben. Aber schon immer habe sie Schwierigkeiten gehabt, zu sagen, was sie wolle und was nicht.

Ich gab ihr eine Decke zum Zudecken, aus Bequemlichkeitfür sie und als Schutz und zur Abgrenzung, bat sie, ihre Augen zu schließen und mir zu sagen, wie sie sich fühlte und was sie in der Sitzung wolle.

„Ja, aber genau das“, sagte sie, „ist es doch, was ich am wenigsten kann - aussprechen, was ich fühle und sagen, was ich will.“

„Bleib dabei, so gut es geht“, sagte ich, „und fühle, wo dich das hinführt.“

Auf suggestive Weise bat ich sie im Weiteren, an der Barriere des Nicht-Wissens, Nicht-Fühlen-und-Nicht-Reden-Könnens zu verharren, um zu erkunden, wo ihre Assoziationen sie hinführten. Ich sagte suggestiv zu ihr:

„Du möchtest den Kontakt zu dir selbst wiederfinden ... geh in dich hinein ... fühle dich selbst ... wer du bist ... wie du bist ... deine Gefühle ... was du willst ... und was nicht ...“

Die Aufforderung, im Erleben eines Ambivalenzkonfliktes zu bleiben, wirkte de fakto als Induktion eines Versenkungszustandes. Das Fokussieren auf den Konflikt zwischen Sein und Wollen setzt am Erleben des Patienten an und geht in die Tiefe, hinein in sein Inneres.

Der Konflikt zwischen BrigitteÙs Wunsch, sich zu spüren und sich klar vermitteln zu können, und ihrer Unfähigkeit dazu war der Einstiegspunkt in eine psychodynamische Selbsterkundungstrance. Diese Ambivalenz war noch längst nicht das ganze zu behandelnde Problem, sondern wie ein Fußabdruck, der auf einen Elefanten hindeutete, aber der Elefant selbst war es noch nicht.

Ambivalenzkonflikte sind die Schatten, die die tiefer liegenden Abwehrprozesse in das Bewußtsein des Patienten hinein werfen. Der Patient möchte etwas, aber er kann es nicht. Er wird gehindert durch einen nur teilweise bewußten Prozeß, der psychodynamisch als „Abwehr“ bezeichnet wird. Die Abwehr wird im subjektiven Erleben durch unerträgliche Affekte, meistens durch Angst oder aus Scham spürbar. Wenn wir in der Therapie den Patienten an Angst und Scham, also an der Abwehr, entlang in die Tiefe führen, geht er fast von selbst in Trance. In dem Versuch, eine Region seines Erlebens zu erkunden, die für sein Bewußtsein im Dunkeln liegt, geht er in sein inneres Dunkel, also in Trance.

 

Fühlen – Symbolisieren – Verstehen

In der psychodynamischen Trancetherapie ist das fühlende Sich-vereinigen des Patienten mit den ausgegrenzten Anteilen seiner Lebendigkeit zwar grundlegend, aber noch längst nicht der gesamte therapeutische Prozeß. Um die Integration abgewehrter Anteile dauerhaft zu machen, müssen innere Strukturen aufgebaut werden, die den neurotischen Selbstschutz ersetzen, und das vorher Abgewehrte muß kognitiv repräsentiert, also verstanden und kommunizierbar werden.

Als Zwischenschritt zwischen dem noch verständnislosen Fühlen und dem verstehenden Einordnen und Mitteilenkönnen dient das Symbolisieren, also der Versuch, unbewußten Prozessen durch Analogien, Bilder, Phantasien und Vergleiche näherzukommen.

Die schon erwähnte Patientin Brigitte sah sich in einer Sitzung in einem hypnotischen Traum in einem Kasten aus hauchdünnen Glas gefangen, der sie gleichzeitig einengte und beschützte. Er war so eng, daß sie nur schwer atmen konnte, gleichzeitig gab er Schutz vor einer als feindlich imaginierten Welt. Da seine Wände so hauchdünn waren, konnte sie sich nur mit großer Vorsicht bewegen, um ihn nicht zu zerbrechen. Dieser gläserne Kasten war nicht real, er war eine Phantasie, die jedoch das Erleben der Patientin besser auf den Punkt brachte, als diskursive Begriffe dies gekonnt hätten. Offenbar war Brigittes größte Angst, daß die scheinbar feindliche Welt sie berühren oder gar in sie eindringen, in ihr etwas anrühren oder aufwühlen könnte. Ihre Angst vor Nähe, besonders vor intimer Nähe, gleichzeitig ihr sehnsüchtiger Wunsch nach tiefer Begegnung und vertrauensvoller Bindung war die nächste, tiefere Schicht ihres Ambivalenzkonfliktes, der nun schon deutlicher auf seine Wurzeln in den frühen Bindungsprozessen verwies.

 

Die Trance-Phantasien des Therapeuten

Auch bei der 22jährigen Frederike war der Anlaß der Therapieaufnahme, daß sie seit zwei Monaten nicht mehr allein in ihrer Wohnung schlafen konnte. Sie übernachtete bei Freundinnen oder bat diese, bei ihr zu übernachten. Ihren Schlafstörungen lag aber eine ganz andere Dynamik zugrunde, als bei der eingangs erwähnten Patientin Anna. Frederike war ein adoptiertes Kind, aufgewachsen in einer selbst recht instabilen Adoptivfamilie. Ihre Schlafstörungen begannen, als sie nach einer heftigen Auseinandersetzung mit ihrem Adoptivvater versuchte, sich aus dieser Familie zu lösen und nun spürte, daß sie im Grunde in ihr nie einen ausreichenden Rückhalt gefunden hatte.

Während sie darüber sprach, merkte ich, daß sich in mir parallel zu ihren Worten ein Phantasiefilm abspielte. Ich sah ein befruchtetes Ei durch einen Eileiter wandern und wie es versuchte, sich in der Gebärmutter einzunisten. Ich beschrieb der Patientin diese Phantasie und fragte sie:

„Könnte es sein, daß du auf einer ganz grundlegenden Ebene eine tiefe Sehnsucht danach hast, dich ‚einzunisten‘, also zu wissen, wo du hingehörst, und wo du absolut sicher bist?“

Zum ersten Mal in dieser Sitzung schaute sie mich direkt an, ihre Augen wurden feucht, und mit einem Zeichen von Überraschung, als ob sie mit einem Verstehen gar nicht gerechnet hätte, sagte sie:

„Ja genau, so fühle ich mich.“

Meine eigene Trancewahrnehmung hatte mir geholfen, ein Stück ihrer Tiefenstruktur zu verstehen und deuten zu können, das ich auf andere Weise nicht hätte erfassen können.

Das Symbol des befruchteten Eis und der Begriff „einnisten“ verwies auf eine Thematik in der Patientin, die viel breiter war, als ihre aktuellen Schlafstörungen und die in die Tiefe ihrer von Unsicherheit geprägten Lebensgeschichte und ihre frühen Bindungsmuster hineinreichte.

 

Hypnodrama und Altersregression

In der körperorientierten Hypnosetherapie (Hypnodynamik) wird Altersregression dazu benutzt, um alte Beziehungsdynamiken, die unter dem Syndrom verborgen sind, zugänglich und gleichsam im Stadium ihrer Entstehung veränderbar zu machen.

Die Versunkenheit in einen psychischen Transformationszustand setzt ja nicht unbedingt körperliche Entspannung und Passivität voraus. Der depressiv-aggressionsgehemmte 29jährige Klaus, der in einer körpertherapeutischen Sitzung wohl zum ersten Mal in seinem Leben über seine hochentwickelte „Schweigewaffe“ hinaus ging und aus vollem Hals und Bauch einen Schaumstoffklotz, stellvertretend für seinen Vater, anbrüllte, war in diesem Moment zutiefst in sich und zugleich außer sich, heraus aus seiner gewohnheitsmäßigen Lämmchen-Rolle und drinnen in einer archaischen, vernichtenden Wut auf seinen jämmerlichen und gleichzeitig bedrohlichen Vater. Vater und Sohn waren Wölfe im Schafspelz, und es war für den Patienten eine ungeheuere Befreiung, endlich einmal offen Wolf sein zu dürfen, ohne den Vater gleich fressen zu müssen, oder Gefahr zu laufen, von ihm gefressen zu werden.

Im Hin- und Hergehen zwischen einer (in NLP-Begriffen gesprochen) assoziierten und einer dissoziierten Position konnte Klaus seine gespaltenen Anteile integrieren, indem er versuchsweise abwechselnd in Schaf und Wolf, in sich als Kind und in seinen Vater, also in das innere und äußere Fremde, Abgewehrte, hineinspürte und es dann wieder von außen bekämpfen durfte. Er konnte die Dynamik seiner Abwehrspaltungen erleben und durchfühlen, und als dies geschah, war er nicht in seinem alltäglichen Selbst, vielmehr in einer Sonderrealität, in Trance, obwohl er die Augen offen hatte, mit mir sprechen und im Zimmer hin und her gehen und sich ziemlich lautstark ausdrücken konnte.

 

Provokative Übertragungsarbeit

In einer hypnodynamischen Therapie taucht der Patient in kindliche Beziehungsdynamiken ein, deren Umgebung und Beziehungspartner er in Trance halluziniert. Auf diese Weise kann man „das Eisen schmieden, wenn es heiß ist“, also mit dem Patienten als Kind mit aktivierten kindlichen Gefühlen in all ihrer Flexibilität und Umformbarkeit arbeiten, was den therapeutischen Prozeß im Vergleich zu bloß verbalen oder kognitiven Therapieverfahren sehr intensiviert und beschleunigt. Ein Analytiker beispielsweise muss mitunter quälend lange auf produktive Assoziationen des Patienten warten. Der hypnodynamische Therapeut kann den Patienten in imaginierten oder symbolisch dargestellten Trance-Szenerien die Übertragungsdynamik im Hier und Jetzt der Therapiesitzung lebendig und anschaulich fühlbar werden lassen, und das hat eine enorme transformative Kraft.

Den 42jährigen, schwulen, seit Jahren trockenen Alkoholiker Helmut begleitete ich in Trance in die Zeit seiner Vorpubertät, in der er verzweifelt versucht hatte, die Aufmerksamkeit und Unterstützung seines Vaters zu gewinnen, der jedoch, nach HelmutÙs Erinnerung, wie ein morscher, bröseliger Felsen depressiv und besoffen vor der Sportschau hing und dem Jungen ab und zu wie einem Schäferhund Kommandos zubrüllte. In einem Rollenspiel versetzte ich mich in dieses Vaterbild hinein und spielte den Vater mit Mimik, Gestik, Körperhaltung und durch typische Sätze. Dabei konnte ich in der Rolle das eigene, verhunzte Leben des Vaters fühlen, und der Patient als Kind konnte seine Ambivalenz aus Angst, Wut und Mitleid dem Vater gegenüber erkunden.

Einige Wochen später sagte Helmut zu mir:

„In dieser Sitzung habe ich begriffen, wie ich später aus kindlichem Mitleid mit dem Elend meines Vaters ihm in den Suff gefolgt bin.“

An der Oberfläche schien zwischen Helmuts latenten Alkoholismus, seiner schizoiden Abgespaltenheit von seinen Gefühlen, seiner Unfähigkeit, im trockenen Zustand sexuelle Beziehungen einzugehen, einem permanenten Gefühl von Schwäche und einer Unfähigkeit, im Beruf Befriedigung zu finden, kaum ein Zusammenhang zu bestehen. Hätte man jedes einzelne dieser Probleme und die zahllosen weiteren, die er in der Therapie vorbrachte, für sich behandeln wollen, so hätte das dem Versuch geglichen, im Herbst Blatt für Blatt einzeln vom Rasen auf den Kompost zu tragen. In der alten Beziehungsdynamik fanden all die Äste, Zweige und Blätter seiner Strukturpathologie in einigen wenigen Wurzeln zusammen.

Eine solche dynamische Wurzel muß erst einmal erkannt werden. Bei Helmut war es unter anderem der innere Kampf zwischen seiner kindlichen Liebe für den einzigen Papa, den er hatte, und seinem Haß gegen ihn wegen der Entwürdigung, die er durch ihn erleben mußte. Ein Kind ist mit einer solchen inneren Zerrissenheit vollkommen überfordert. Es hilft sich mit psychischen Notfallprogrammen, also mit Abwehrprozessen, die die Basis seiner künftigen Strukturstörung bilden. Bei Helmut waren es vor allem narzißtische Spaltungen zwischen einer projizierten Größenphantasie und einem entwerteten Selbstanteil.

Helmuts tiefe Beschämung und Verzweiflung, weil er sich von seinem heimlich über alles verehrten (und auch erotisch begehrten) Vater wie ein räudiger Köter behandelt fühlte, verhinderte, daß er hier und heute im unbetäubten Zustand sein Herz öffnen konnte. Als Kind hatte die innere Zerrissenheit seine psychische Struktur erschüttert und ihn als Jugendlichen in seinem Selbstwertgefühl schwer geschädigt zurückgelassen. In der therapeutischen Altersregression konnte er, suggestiv unterstützt, zum ersten Mal in seinem Leben ohne Abwehr die immensen inneren Spannungen durchfühlen, die damals sein Selbstwertgefühl belastet und nahezu zerbrochen hatten.

Er wiederholte in der Therapie also nicht die alte traumatische Beziehungsverstrickung einfach nochmal, sondern er durchfühlte sie Schritt für Schritt zum ersten Mal ohne Abwehr. Damit wurden viele der pathogenen Vermeidungsprozesse entbehrlich, die die Basis seiner neurotischen Probleme gewesen waren. Seine allmählich zunehmende Fähigkeit, Schläge des Schicksals gegen sein Selbstwertgefühl ohne neurotischen Selbstschutz zu ertragen, ermöglichte es ihm, sich in seinem Beruf, in Freundschaften und einer Partnerbeziehung wirklich einzulassen.

Die Hypnose fand in der vorhin beschriebenen Sitzung nicht nach dem gewohnten Ritual entspannt im Sessel sitzend, mit kataleptischem Arm statt, sondern im Rahmen eines suggestiv begleiteten psychodynamischen Rollenspiels, das ihn in eine altersregressive Trancerealität hineinführte.



Anschrift des Autors

Werner Eberwein
Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut
Leiter des Fort- und Weiterbildungszentrums Berlin
der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH)
und des Instituts für Humanistische Psychotherapie Berlin (IHP)

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